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Girls Under Glass: „FOCUS“ – 1986-2006 „20 YEARS OF GIRLS UNDER GLASS“

Veröffentlicht von Admin am 11.08.2007, 09:08
Punkte:   (9 von 10)
Hits: 360
Sprache: german


Girls Under Glass: „FOCUS“ – 1986-2006 „20 YEARS OF GIRLS UNDER GLASS“.
( Cellar Door/ Al!ve )


„Weiterentwicklung und neue Elemente – das ist die Bandphilosophie, die wir immer betrieben haben.“ (Volker „Zaphor“ Zacharias)
Wir gratulieren zu und feiern – 20 JAHRE GIRLS UNDER GLASS!

20 Jahre GILRS UNDER GLASS, das heißt ein Beginn in Minimalismus und gothic-typischer Melancholie der 80er Jahre, das heißt Aufstieg in den Industrial-Electro-Metal-Crossover der 90er Jahre und das heißt Ankommen in Gothic-Rock mit elektronischen Elementen des 21. Jahrhunderts.
20 Jahre eine Band, die von Anfang an ihren Weg vorbei an allen Trends und zwischenzeitlich modernen Strömungen gegangen ist, die sich damit bis heute Individualität in all ihren Nuancen bewahren und über zwei Dekaden alle Versuche sie in Klischee und Konformität einzutüten hat scheitern lassen.

„Das Nukleus um Volker Zacharias alias Zaphor, Hauke Harms und Axel Ermes hat stets neue Elemente aufgenommen, ohne sich vereinnahmen oder eine trendgerechte Stilistik dominieren zu lassen.“ (Cellar Door)

Passend zu einem Jubiläum und Bandbestehen, das in der heutigen Musiklandschaft vielfach nur Utopie sein könnte, veröffentlicht die Band eine visuelle Zusammenfassung ihres Werdegangs, beleuchtet sowohl chronologisch, als auch eigensinnig ihre bisherige Laufbahn und lässt den bereits Begeisterten, als auch den noch zu Begeisternden daran teilhaben.
Wir präsentieren – „FOCUS“ – 1986-2006 „20 YEARS OF GIRLS UNDER GLASS“.

Die mit viel Hingabe, jedoch auf angenehm zurückhaltende Art und Weise gestaltete Verpackung des „FOCUS“ auf die Laufbahn einer DER deutschen Szenegrößen könnte repräsentativ dafür stehen, was den Zuschauer in den prall gefüllten 174 Minuten ‚Girls Under Glass Kompakt’ erwartet.

Werfen wir unseren Blick zuerst auf das aktuellste Stück DVD- Girls Under Glass Live beim WGT 2005. Das Konzert findet statt im Leipziger Werk II und vor allerlei begeistertem Publikum. Das Konzert, das definitiv zu den Highlights des 2005er Treffens gehörte, bietet den perfekten Überblick über all das, was zu einer GUG-Setlist gehören muss. Aus damals aktuellem Anlass bekommt man vor allem Stücke der letzten Veröffentlichung „Zyklus“ zu hören und zu sehen. Zwar bietet das Werk II nicht jedem akustischen Feinschmecker die idealen Umstände, jedoch stimmt hier inklusive perfekt ausgeformter Lichtshow alles. Eine Band in bester Stimmung, die keinerlei Mühe hat von ihrem bestehenden Status zu überzeugen oder Zweifel an dem Vorteil langjähriger Sturheit in Sachen Nicht-mit-der-Mode-gehen übrig zu lassen. Der Live-Mitschnitt bietet einen idealen Einblick in den nicht vorhandenen Stillstand einer Band, die sich schließlich hätte auch auf ihren Lorbeeren ausruhen können. Besonderheit des Gigs ist ohne Zweifel das spezielle Auftauchen und Teilnehmen des Peter Spilles (Project Pitchfork), den man zum Einstimmen in den zuletzt gehörten Clubhit „Ohne Dich“ bewegen konnte.
Bewegt sich der Zuschauer weiter im Menü der „Focus“ trifft er als nächstes auf die Ausnahme-Dokumentation „20 Years of Missunderstanding“. Diese wurde als absolutes Highlight der DVD mit dem Prädikat „Besonders Wertvoll“ in den Raum gestellt und möchte von nun an nicht mehr im Sortiment fehlen.
„20 Years of Missunderstanding“ stellt zusammenfassend die Bio- bzw. Diskographie der Girls Under Glass dar, verkauft eben jene aber auf ganz und gar andere und spezielle Art und Weise. In den 45 Minuten wird der Interessierte durch 2 Dekaden GUG geführt, erlebt in einer Mischung aus Chronologie, Live-Mitschnitten, Interviews und Kommentaren die Zeitspanne von 1986 bis 2006. Wie alles begann, als aus Calling Dead Red Roses 1985 Girls Under Glass wurden und wo sie heute nach 10 erfolgreichen Alben, Tourneen und stetig wachsender Bekanntheit stehen.
Neben ehemaligen Bandmitgliedern wie beispielsweise dem von 1986 bis 1990 an der Front agierenden Sänger Tom Lücke und all den eigentlich Bedeutsamen im Hintergrund an Ton und Licht kommen lots of Stars der Szene vor die Kamera um hier und da Kommentare abzugeben und auf unterhaltsame Art und Weise einzustreuen. Dabei reicht das Sortiment von Peter Spilles (Project Pitchfork), Ronan Harris und Mark Jackson (VNV Nation), über Mesh und Eric Burton (Catastrophee Ballet), bis hin zu De/Vision und Rotersand. Doch nicht bloßes Gratulieren und förmlich-langweiliges Glückwünschen findet statt, nein, fast jeder Gastkommentator hat diesen und jenen Joke oder eine originelle Begebenheit aus der Laufbahn der GUG zu erzählen. Das ist unterhaltsam und interessiert. Zu guter Letzt wurde auch noch Veranstaltern, die bereits das Vergnügen hatten und auch den gemeinen Fans der Band eine Plattform geliefert um Hallo zu sagen.

Bei all der Unterhaltsamkeit kommt der Informationsfluss jedoch nicht zu kurz. Chronologie heißt das Zauberwort und ebenso geordnet werden uns die einzelnen Karrierestationen in Form von 10 Veröffentlichungen präsentiert. All das untermalt vom jeweiligen Sound und umrahmt von visuellen Erinnerungen aus eben jener beleuchteten Zeit. Dabei dürften sich Highlights für all diejenigen auftun, die zu gern in 80er-Melancholie verfallen, denn sowohl Live-Mitschnitte, als auch vielfältiges Fotomaterial gibt es zu bestaunen. Zwischendurch erlebt der Zuschauer immer wieder Ausflüge in die nächste Nähe der Band, so erwischt man Volker Zacharias, der vorher noch kühn behauptet hatte sich nie an den Reglern im Studio vergreifen zu wollen, in einem unbeobachteten Moment hinter eben jenen. Es blieb beim einzelnen Versuch und unvollendeten Werk. Wir stellen uns außerdem mit den Girls die Frage, wie sich „Schwanzrock“ anhört, horchen überrascht auf, wenn der aktuelle Gitarrist Lars Baumgardt davon erzählt, dass er GUG früher immer für eine Frauenband hielt (ach nee!) und nach dem persönlichen Aufeinandertreffen zu der Erkenntnis „Girls Under Glass SIND eine Frauenband!“ gelangt. Schließlich philosophieren wir mit Sänger Volker darüber, ob es eher Fluch oder vielmehr Segen ist sein Genre nicht zu finden.

„Focus“ schafft es hierbeiAnspruch und Information stets mit Unterhaltsamkeit und Abwechslung zu verbinden. So wird die Übersicht des bisherigen Schaffens stets unterbrochen durch Live-Aufnahmen und viel viel Backstage-Material, das beste Einblicke in den Touralltag gewährt.

Schließlich befindet sich unter den Live-Eindrücken auch der des ersten Jubiläumskonzerts der Girls Under Glass, das anlässlich des 10 jährigen Bestehens stattfand und bei dem erstmals Oswald Henke (Goethes Erben) die Hauptrolle zu „Du Tier“ spielte. Ebenso in der Rückblende – der Auftritt beim Zillo-Festival 1999 oder das bisher einmalig gebliebene Akustik-Konzert mit Einsatz des Gitarristen La Casa Del Cid in Hamburg im Jahre 2000. Ein Idee, die backstage entstand und die GUG plötzlich in gänzlich anderem Licht zeigte. Weiterhin vorhanden – die Europa-Tourneen der Jahre 2002 und 2005.

Die Dokumentation endet mit Einblicken in die Produktion des letzten Longplayers „Zyklus“ und schließlich mit der Frage, ob sich Girls Under Glass in 10 Jahren sehen...

Volker Zacharias hierzu: „Ich glaube, ich könnte gar nicht mehr aufhören. Ich bin noch nicht bereit.“

Abschließend angeschaut – das Bonus-Material. Davon ist eine Menge vorhanden und sowohl Fans von Raritäten, als auch Sympathisanten von Live-Aufnahmen werden auf ihre Kosten kommen. Videos der ersten GUG-Stunde gibt es in Form von „Lucky“ und „In the Heat“. Erwähnt sei hierbei die Selbstverständlichkeit, mit der ‚damals’ in Klischeekisten gewühlt und daraus noch ganz und gar kein Hehl gemacht wurde... Höhepunkte der GUG-Livegeschichte folgen mit „Strong Heart“ (man beachte den Metal-Look der Show inkl. Pyro), „Du Tier“ (1989), „Sometimes“ (1993), „Protean Dreams“ (2000, aus dem Akustik-Set, gesanglich unterstützt durch Jenny Kähler) und endet schließlich mit einem fantastischen „As Time Goes By“.

Zu guter Letzt die Dankeschön- und Grüße-Liste, die bei derart dauerhaftem Bestehen recht ausführlich, jedoch spätestens beim Erwähnen der musikalischen Kollegenschaft nicht minder interessant ausfällt.

„FOCUS“ – das sind 20 Jahre einer Band, die das Talent bewiesen hat die Szene zu prägen, ohne dabei je dauerhaft in die Nähe einer Schublade zu geraten. „FOCUS“ ist dabei sowohl Diskographie im klassischen Sinne, als auch Karriereübersicht mal anders. Hier werden Information und Entertainment ins perfekte Verhältnis gesetzt, man vermeidet sowohl Übermaß, als auch Mangel des Einen bzw. Anderen. Das bewirkt keinen Moment Monotonie und Langeweile. Abwechslung und Kurzweiligkeit heißt die Devise. Mit „FOCUS“ konnte ein weiterer Meilenstein in der GUG-Laufbahn markiert werden, dies jedoch nie krampfhaft offensichtlich und beabsichtigt wirkend. Höchst entspannt darf jeder Interessierte feststellen, dass auch ohne 526 Kameras und verschiedene Winkel, ohne Spieleecke und sonstig speziellen Effekt Unterhaltung möglich ist. Und siehe da, auch Anspruch darf sich bemerkbar machen, ohne anstrengend zu sein.

Tracklist:

01 Touch Me
02 In die Einsamkeit
03 When I think about You
04 Truly Living
05 Feuerengel
06 Burning Eyes
07 Long Forgotten Room
08 Humus
09 Lucky
10 Die Zeit
11 Ohne Dich
12 Frozen
13 Reach for the Stars
14 Sick of You
15 I Am Alive
16 Du Tier


Bonus Material:

45 Minutes Documentary “Focus” (Girls Under Glass 1986 – 2006) incl. Interviews, rare Videomaterial, Footage

Video Clips:

“In the Heat”
“Lucky”

Live-Clips:

“Strong Heart”
“Du Tier”
“Sometimes”
“Protean Dreams”
“As Time Goes By”

Rezension: Raggi



  

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