LAHANNYA - Shotgun Reality
Veröffentlicht von Raggi am 24.08.2009, 21:08 Punkte:    (7 von 10) Hits: 225 Sprache: german
LAHANNYA „SHOTGUN REALITY“
VÖ: 12.10.2007
Kabuki/ Alive!

Wer sich regelmäßig über Szenetanzflächen bewegt bzw. im düster-elektronischen Sektor zu Hause ist, der dürfte schwerlich an der Londoner Künstlerin LAHANNYA vorbeigekommen sein, welche sich nicht nur als Djane, sondern auch als Stimme so illustrer Projekte wie Soman, Greenhaus oder Combichrist einen Namen machte. Nachdem sie beim 2004er M’era Luna auf die eine Hälfte von Umbra et Imago, Lutz Demmler, traf, entwickelte sich aus der Sympathie auch eine Vorliebe etwas abseits der Bässe und Synthies. Waschechter Rock sollte es in Zukunft sein und eben jener neuen Vorliebe wird auf der nunmehr erscheinenden Platte „SHOTGUN REALITY“ Gehör verliehen. Dazu vervollständigte man sein musikalisches Umfeld neben Herrn Demmler mit Chris Milden (NFD) und Belle (Killing Miranda/ Nosferatu), was sich in der Zusammenfassung recht gut macht und professionell aufgemacht anhört. Wer sich unter den bisherigen Presse-Echos, die sämtlich in Richtung Evanescence oder auch Lacuna Coil deuteten, nicht viel vorstellen wollte, dem sei gesagt, dass es sich im Fall von „SHOTGUN REALITY“ nicht um eine bloße Fortsetzung der bereits erfolgsgekrönten Sparte Gothic Rock inkl. Woman’s Voice handelt, sondern dass man sich redlich bemüht hat, nach eigener Art zu klingen. Einzig mancher Umbra-Sympathisant mag von allein auf die Beteiligung des dortig ansässigen Bassisten aufmerksam geworden sein, was aber keineswegs in schattiges Dasein zu rücken ist, sondern dem Rocksound noch ein wenig mehr Druckkraft verleiht. Der Longplayer kommt ohne große Worte und Drumherum aus, bringt auf den Punkt, was ausgedrückt werden wollte und verliert sich dennoch und angenehmerweise nicht im Einerlei. Die Melodik der Songs verirrt sich hier und da leider im Hintergrund, da die durch dominierenden Bass und Gitarre erzeugten, vornehmlich düster klingenden Sounds der Platte ihren Stempel aufdrücken. Einzelne etwas besser „beleuchtete“ Songs, die schon fast alternativ klingen wollen („Beautiful Girl“, „Bleed For Me“, „Silent Victim“), machen die Mischung besonders. Dabei kommt man nicht umhin, sich im ein oder anderen Moment an Rock der 80er Jahre erinnert zu fühlen, da besonders die Gesangslinien hier und da einen starken Retro-Touch eben jener Ära aufweisen. Angenehm fällt dabei jedoch auf, dass LAHANNYA stimmlich noch etwas mehr aus sich heraus holen kann als in Form ihrer Electro-Einsätze. Deutlich kraftvoller, vor allem aber einnehmender klingt die Frontfrau und harmoniert prächtig mit der Eingängigkeit ihrer Fabrikation. Dabei wird viel Wert auf Abwechslung gelegt, ein Duett aus treibend („Rain“, „Charades“, „Heaven“) und getragen („Narcotic (2007)“, „Wandering“, „Roundabouts“) ,beherrscht das Album, wobei viele Songs scheinbar genau den richtigen Moment erwischt haben. Ebenfalls für Vielfalt sorgt die dezent eingesetzte Elektronik, die nie zu pompös und überladen wirkt, sondern einfach nur das gewisse Etwas verleihen kann, ohne unnötig vom Eigentlichen abzulenken („Doors“, „Wandering“, „Losing Yourself (2007)“).
Am Ende bleibt der Eindruck einer äußerst gelungenen Rockplatte, die nicht wirklich mit aktuellen Trends mithalten will und dadurch umso sympathischer werden kann. Ein bisschen Wind der Achtziger, viel Fantasie und angenehme Eingängigkeit ohne Langeweile erzeugen ein rundum unterhaltsames Album, das sich nicht vor Konkurrenz zu scheuen braucht, vermutlich aber nicht gleich jedes Ohr von einer neuen Liebschaft überzeugen kann. Ratsam ist an dieser Stelle vermutlich der Live-Test, um festzustellen, ob die Energie der Songs, welche nicht bei bloßem Kratzen an der Oberfläche überspringen kann, den Hörer doch noch erfasst. Wer sich schließlich auf eine pure, durch und durch rockige Platte einlassen will, dem sei gratuliert zu der Entscheidung abseits vom Extrem und der gewollten Skandalträchtigkeit.
01 Beautiful Girl
02 Bleed For Me
03 Narcotic (2007)
04 Doors
05 Wandering
06 Rain
07 Charades
08 Losing Yourself (2007)
09 Heaven
10 Roundabouts
11 Silent Victim
12 Payback
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