KIRLIAN CAMERA + BLUTENGEL / Out of Line-Festival Berlin, 7.11.2009
Gönderen Raggi Tarih: 06.12.2009, 14:12 Score:    (7 from 10) Hits: 253 Language: german
KIRLIAN CAMERA + BLUTENGEL / OUT OF LINE FESTIVAL/ 7.11.2009 - ColumbiaClub, Berlin

Ein fester Konzerttermin im Kalender gegen Jahresende für all jene, die sich den tanzbar-elektronischen Klängen verschrieben haben, fand in der Berliner Variante am 7. November statt – das OUT OF LINE FESTIVAL 2009 lud in diesem Jahr nach Leipzig und schließlich in den Berliner ColumbiaClub.
Eine gut besuchte Location, die uns gegen neun erwartete, gefüllt mit tanzfreudigem Publikum, das bereits einen Teil des Line up’s, besetzt mit DIN [A] TOD und SOLITARY EXPERIMENTS, erleben durfte. In diesem Augenblick beschallte das Nebenprojekt aus dem Hause Hocico – RABIA SORDA – die Halle und es schien, als zeigten sich die Angereisten durchaus begeistert ob der Energie und Dynamik, die da von der Bühne aus um die Ohren gehauen wurde. Stillstehen war nicht wirklich möglich, sei es aus persönlicher Begeisterung oder der puren Massenbewegung der ersten Reihen heraus. Ein gefeierter Auftritt für Erk Aicrag, ein kleiner Höhepunkt des heutigen Line up’s für das Publikum.
Der persönlich befundende beste Grund, hier und heute mit Anwesenheit zu glänzen, war der nunmehr präsentierte Co-Headliner des Abends. Eine Kultband schlechthin, mit unverwechselbarem Sound, Auftreten und nie bestrittener Qualität – die Italiener von KIRLIAN CAMERA. Ein bißchen Verwunderung hatte sich im Vorfeld ob der Stellung als „Nur-Co-Headliner“ breit gemacht, wären doch die Band-Historie, sowie Klassiker wie „Eclipse“ und „Heldenplatz“ eine Position weiter oben wert gewesen.
Ein beeindruckender Auftakt des heutigen KC-Abends, der ganz im Zeichen des momentanen Blicks in die musikalische Vergangenheit und gleichzeitig Glanzstücks „Odyssey Europa“ stand und bereits jetzt ganz besondere Stimmung verbreitete. Angelo Bergamini als Gründungsmitglied und gesanglicher Dreh-und Angelpunkt Elena Fossi, die für beeindruckende Live-Präsenz stehen wie kaum ein anderer Vertreter des Genres, können vom ersten bis zum letzten Augenblicks ihres heutigen Abends in den Bann der Mixtur aus tanzbarer Elektronik, hymnenartiger Atmosphäre bis hin zu ambientartigen Klangfeldern ziehen. Ausgestattet mit zwei weiteren Keyboardern inklusive beeindruckender Background-Vokalistin, sowie Geigerin Sarah Crespi lieferten die Ausnahme-Künstler einen musikalisch ästhetischen, sowie eindrucksvollen Auftritt, der neben der besonderen Energie der Stücke vor allem deren Stimmung und Atmosphäre an das Publikum weitergeben konnte. Ein Stück Besonderheit des Abends, dem spätestens mit dem Violinen-Solo von Sarah Crespi die Krone aufgesetzt werden konnte. Zusammenfassend beeindruckend!

Und schließlich – die ersten Reihen kamen ein wenig in Bewegung und mancher Austausch mit der Position weiter hinten fand statt – waren BLUTENGEL an der Reihe.
Das Dark Pop-Project des Chris Pohl, das in diesem Jahr bereits eine eigene Tour und mehrere Festivals hinter sich gebracht hatte und an diesem Abend die Headliner-Position besetzen durfte, war durch einen großen Teil des Publikums bereits sehnsüchtig erwartet worden und so wurden bereits beim ersten Hauch des Intros zur aktuellen Veröffentlichung „Schwarzes Eis“ erste Jubelschreie laut. Wer bereits die Konzerte der Tour im Frühjahr besucht hatte, dem kam die Winterlandschaft auf der Bühne bekannt vor und der hatte eine ungefähre Vorstellung von dem, was in der folgenden reichlichen Stunde auf ihn zukommen würde. Musik, gepaart mit ein wenig Pathos und Klischee-Kulisse, alles verknüpft zu einem Musik-Theater, das bereits in der Vergangenheit nicht negativ bewertet sein wollte und das wohl zu einem Markenzeichen des Berliner Trios geworden ist.
Mit dem Solo-Auftakt „Behind the Mirror“ startete der Herr der Engel selbst das Konzert und sah sich bereits in diesem Moment mit weiblicher Begeisterung aus den ersten Reihen konfrontiert. Eine Ausstrahlung, die über die nächsten Konzert-Minuten nicht abreißen sollte und somit wohl inzwischen ebenfalls charakteristisch für BLUTENGEL-Auftritte geworden ist.
Eine Veränderung gegenüber der Frühjahrs-Tour zum aktuellen Album konnte festgestellt werden – das Team an Tänzerinnen wurde verstärkt und so konnte im Verlauf des Abends ein reger Austausch an weiblichem Hintergrund der Show-Bühne beobachtet werden. Ob LED-Performance, Kunstschnee und schließlich –blut, jede Ecke der BLUTENGEL-Thematik wollte visuell umgesetzt und ins rechte Licht gerückt werden. Hier und da überzeugte die tänzerische Darbietung nicht wirklich und die Choreographie wirkte etwas steif. Vielleicht wäre auch der Grundsatz „Weniger ist mehr“ eine Empfehlung wert und die Gefahr, einer überfüllt wirkenden Bühne gegenüber zu stehen, gebannt gewesen. Ein „Weniger“ hätte sich zu Gunsten der Perfektionierung vielleicht ganz gut gemacht.
Nichts desto trotz sind Songs wie „Lucifer“, „Bloody Pleasures“ oder auch „Vampire Romance“ immer noch bestens dazu geeignet, die Menge zu mobilisieren und zur Aktivität anzustiften. Ob Mitsing-Aktionen wie zu „Engelsblut“ wirklich notwendig und einem stimmungsvollen Auftritt zuträglich sind, mag außer Acht gelassen und in den Raum gestellt bleiben.
Nach mehr als 60 Minuten beendeten BLUTENGEL umjubelt und ausnahmsweise nicht mit „Children oft he Night“ ihren Auftritt, der sich gegen Ende leider noch mit allerlei Kunstblut bekleckern musste. Denkt bei Blut-Spuckerei noch irgendjemand ans ästhetische Gesamtblid, die aktuell medienverherrlichte Pandemie, vielleicht auch an den textlich- thematischen Hintergrund? Nicht wirklich. Schade. Dennoch zusammenfassend – das Publikum war zufrieden, spätestens als es im Glitterregen stehend, noch einmal alle Begeisterung über viele, viele Szene-Hits kund tun durfte.
Ein unterhaltsam-tanzbares Festival des Novembers und definitiv Steigerung zum Line up der Vorjahre.

[ Forward | Back to Reviews Index ] |