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18. WGT / Leipzig 2009

Gönderen Admin Tarih: 24.10.2009, 16:10
Score:   (5 from 10)
Hits: 180
Language: german


 

18. WAVE GOTIK TREFFEN 
Leipzig 2010
 


18 Jahre – volljährig also – und immer noch inmitten der eigenen Erfolgsgeschichte.

Das diesjährige WAVE GOTIK TREFFEN in 18. Ausgabe setzt an, wo in den vorigen Jahren aufgehört wurde. Ein Pfingsttermin, der schon im Jahr zuvor im persönlichen Urlaubsplan angestrichen werden oder aber konsequent ignoriert werden will. Denn inzwischen gibt es sie tatsächlich, die Einstellung derer, die das alljährliche „Pfingst-Schwarze Leipzig“ nicht mehr als Pflichtveranstaltung begreifen, geschweige denn an eben jener teilnehmen wollen. Kontroverse vorab, die sich wie passend abzeichnet zur Volljährigkeit eines internationalen Festakts, der noch immer seinesgleichen sucht. 1992 im „Eiskeller“ des Leipziger Stadtteils Connewitz wurde eben jenes aus der Taufe gehoben, präsentierte damals ganze 6 Bands (u.a. Das Ich, The Eternal Afflict, Goethes Erben) und ließ etwa 1.500 Schwarzgewandtete in die heutige „Szenestadt“ pilgern. Nicht abzusehen war zu diesem Zeitpunkt, welche unglaublichen Höhen, aber auch welche Tiefen das WGT in den Folgejahren noch erleben würde.

Während sich die Besucherzahlen und auch die Zahl der angereisten Künstler in den neunziger Jahren noch konstant und eher am Boden hielt, schien die Begeisterung für die „Schwarze Alternative“ gegen Ende der 90er und speziell zur Jahrtausendwende überzuschwappen und sich über Leipzig und der dortigen Bevölkerung, die sich über die Jahre an die wunderlichen „Pfingstreiter“ gewöhnt hatte, zu ergießen. Es gab kein Halten mehr und aus den vierstelligen wurden in kürzester Zeit fünfstellige Besucherzahlen. Die Marke 20.000 wurde scheinbar mühelos geknackt und eigene Schallgrenzen auch in der Sparte ‚Bands‘ überschritten. Zum neunten WGT im Jahr 2000 schließlich hatte sich die Zahl der bestellten Musik-Acts auf über 300 verdreifacht und man hatte ca. 25.000 Karten an Szenebegeisterte absetzen können. Ein Höhepunkt, der vielleicht hätte misstrauisch machen sollen angesichts der relativ jungen Veranstaltergeschichte. Wer hörte schließlich nicht von einem kompletten Desaster in Form von abgebrochenen Konzerten auf Grund Pleiten, Pech und Pannen-Orgien hinter der Bühne und schlussendlich von einem zahlungsunfähigen Veranstalter. Ein überschrittener Zenit der bisherigen WGT-Laufbahn, der glücklicherweise bei allem Risiko, auf das Publikum überzugreifen und in Chaos auch vor der Bühne auszuarten, eben jenes ausließ.

Die Geschichte hätte an dieser Stelle zu Ende sein können, jedoch besann man sich auf die inzwischen erreichte Bedeutung des Geschaffenen und lenkte seit 2001 in neue Bahnen. Ein neuer Veranstalter wurde gefunden, der sich das WAVE GOTIK TREFFEN, dessen Besucher und die Umgebung in kritischerem Licht besah und das Festival so runderneuerte, dass sich Künstlerauswahl und Publikumszahlen in einem erträglichen und machbaren Maße wiederfanden. Ein Umschwung, der kommen musste und dem es wohl zu verdanken ist, dass sich das WGT und Leipzig bis heute nicht trennen mussten. Ein Szene-Festival, dass inzwischen vor allem auch international von Bedeutung ist und schon darin seinen Reiz hat. Ein Treffen, ein Zusammenkommen verschiedenster Nationen und nicht zuletzt das beliebt-gehasste Schaulaufen des Hobby-Exhibitionisten unter uns.

Der Rest ist Geschichte...


In diesem Jahr war der persönliche, musikalische Plan etwas unausgereift, ein wirkliches „Konzert-Hopping“ stand nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala und so sollten allein Lust und Laune darüber entscheiden, wo wir uns schließlich wiederfinden wollten. Ein paar Pflichttermine waren dennoch ausgesucht, so auch unser erstes Konzert des Pfingsten 2009. STAUBKIND, die nun schon ihr viertes WGT in Folge bespielen durften, hatte es in diesem Jahr erstmalig von der sonst bevölkerten Moritzbastei ins Werk II verschlagen. Ein Fortschritt, erinnert man sich an die überfüllten Konzerte in den Vorjahren, bei denen so mancher Sympathisant schlichtweg draußen bleiben musste. Neben Acts wie HENKE oder SARA NOXX sollten die Berliner in diesem Jahr die zumeist gut besuchte Spielzeit des Werk II eröffnen. Gut besucht und bester Laune zeigte sich die Lokalität, als Louis Manke und Band ihre persönliche Festival-Tradition fortsetzen und die Zuhörerschaft mit einem rockenden 40-Minuten-Set begeistern konnten. Und die größere Bühne stand ihnen gut, die Erfahrung, die über die 5 Bandjahre hinzugewonnen werden konnte und der Spaß an der eigenen Musik und am Kontakt mit dem Publikum, der erhalten geblieben war, ließen erneut den bekannt-beliebten Funken überspringen und das Konzert als äußert gelungen einstufen.

Etwas ruhiger, jedoch keineswegs weniger emotional sollte es im Anschluss anlässlich unseres ersten Besuchs in der Kuppelhalle des Volkspalastes werden. Dieser stand an diesem Abend gänzlich im Zeichen der Neo-Folklore und beherbergte dementsprechend stilvoll gelauntes Publikum. Eine grandios-stimmungsvolle Atmosphäre, die die beeindruckende Volkspalast-Kulisse zusammen mit galant in Szene gesetzter Licht-Show da erzeugen konnte und die – am Rande bemerkt – aus hiesiger Sicht viel zu schade ist, um sich den Rest des Jahres von Schaum-/ Ü 30- und sonstigen Klamauk-Geschehnissen zu ernähren. Die Luxemburger von ROME waren Ziel unseres Besuchs und genau diese waren es, die uns wohl das WGT-Highlight 2009 schon an diesem ersten Freitag, den 29. Mai, bescherten. Sparsam bzw. so gut wie gar nicht eingesetzte Dekoration, ein authentisch bis normal aussehender Jerome Reuter und wirkungsvoll arrangierte Trommler bzw. E-Geiger ergaben das Bild einer musikalisch-dramatischen Lyrik, die an Ausstrahlung an diesem Abend nicht zu überbieten war. Ein gänzlich bewegt-gefangenes Publikum, dass sich von der ersten bis zur letzten Minute des Auftritts mitreißen ließ und schließlich ein Konzert, das für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment, wenn nicht gar Kloß im Hals sorgen konnte. Mit einem Wort - WUNDERSCHÖN!

Den Ausklang des ersten Abends in Leipzig wagte man in der wie so oft brechend vollen Agra-Halle. Ein Anziehungspunkt wohl in jedem Jahr und an jedem Freitag, sei es zur Geduldsprobe Bändchenholen oder zum anschließenden Konzertabend, der regelmäßig hochkarätig besetzt wurde. Auch in diesem Fall, jedoch in Form der „Überraschungsband“ – PROJECT PITCHFORK hatten sich inklusive neuestem Longplayer eingefunden, um mit Altem und Neuem, Hits und solchen, die es werden wollen, sowie mit beeindruckender Laser-Show die zahlreich erschienenen Tanzbeine zu begeistern. Ein krachiger Sound, über dessen Wohlfühl-Gehalt sich in der Agra durchaus streiten lässt, beschallte die Zuhörerschaft, deren Bewegungsdrang jedoch mangels persönlicher Fläche und Sauerstoffanteil der Luft etwas eingeschränkt schien. Daher nicht wirklich vom Anfang bis zum Ende der Song-Galerie durchgehalten, sondern in Richtung gemütlicher Sitzgruppe aus dem Staub gemacht.

Der Samstag sollte dann doch nicht gänzlich auf der faulen Haut verbracht werden, der traditionelle Besuch des Konsumtempels Agra, sowie ein paar Stippvisiten bei einzelnen Musiken standen auf dem Plan. Klamotten und Kaufrausch, Plastikhaare und –tüten, Konsum und Komplott – eine Zusammenfassung dessen, was sich da alljährlich an den Ständen der Agra Halle abspielt. Aus ganz persönlicher Sicht verliert das Aufgebaute mehr und mehr an Reiz, sowie an Originalität. Nichts, das man noch nicht kennt und erschreckend, wie wenig Zeit vergehen musste, bis man „alternative Trends“ schon wieder als „Retro“ feiern könnte.

Daher lieber zurück zur Musik – Stichpunkte des Samstags heißen da THE ETERNAL AFFLICT, FEINDFLUG oder auch VNV NATION.

     

Wie anfangs erwähnt, zeigten sich mit THE ETERNAL AFFLICT wahre Urgesteine des Treffens, in diesem Jahr auf der gutbesuchten und allseits beliebten Parkbühne. Ein gemischtes Publikum feierte die Klassiker der elektronisch-tanzbaren Musik und forderte schließlich mit fortwährender Geduld DEN Hit schlechthin – „San Diego“. Und wie so oft sorgte der unbestechlichste unter den Festival-Faktoren – das Wetter – für den Schmunzel-Moment – pünktlich zur Zeile „The Sun burns in your Face“ erschien eben jene und beschien Frontman Cyan frontal.

Schließlich die Reise zur Agra, die an diesem Abend tief in die klassisch elektronische Schublade gegriffen hatte. Oft gewünscht und viel bejubelt – FEINDFLUG blieben an diesem Samstag als Höhepunkt in Sachen Stimmung und „Tanz-Wut“ in Erinnerung. Martialischer Electro-Sound, der durch die Halle hämmerte und die energiegeladene Menge vor Bühne von der ersten bis zur letzten Minute des Auftritts anfeuerte und vorantrieb.

Ein weiterer WGT-Klassiker, den sich die Tanzbegeisterten nicht entgehen ließen und der darum an Stimmung keinen Abbruch spüren ließ – VNV NATION, die nun beinah ebenso zu den „üblichen Verdächtigen“ des Pfingst-Treffens gehören, weil schon so oft dazugehört haben. Scheinbar mit Leichtigkeit und fast schon Selbstverständlichkeit bewegt sich in „Chrome“, spätestens in „Beloved“-Augenblicken alles, was im Raum vorhanden ist. Stillstehen und Teilnahmslosigkeit ausgeschlossen! Ausklang des Abends – ein Besuch im Szene-Lokal Dark Flower, das sich stets, jedoch zu Pfingsten besonders mit DJ-Prominenz schmückt und an den Treffen-Abenden mit vielen vielen eben noch Musizierenden an den Reglern aufwartete. Folge war ein übervoller Club, wenig Frischluft und gute Stimmung bis in die Morgenstunden.

In Folge dessen ein eher gemütlicher Sonntag, der dann auch unser letzter WGT-Tag sein sollte. Während sich ab dem frühen Abend bzw. in der Nacht sämtliche Besucherschaft vor den Bühnen der unterschiedlichen Veranstaltungsorte breit machte, wurden die Vor- und Nachmittage dann doch dem Wohlfühl-Spaziergang oder auch dem Rahmenprogramm des Treffens gewidmet. Immer wieder schön dabei die vielfältigen Lesungen und Vorträge oder auch ein einfaches Stell-Dich-Ein zur Moritzbastei-Kaffeezeit. Wer wollte denn da in Stress verfallen?! Somit ein eher unmusikalischer Tag, mit dem das WGT 2009 für uns zu Ende ging.

Wir können nur noch vom Hören-Sagen berichten, dass der Montag u.a. mit Höhepunkten in Form von UMBRA ET IMAGO auf Abschieds-Tour und mit einigen Stand-Schwierigkeiten des Herrn Mozart, sowie mit einem frenetisch gefeierten AGONOIZE-Auftritt im Kohlrabi-Zirkus, versehen mit jeder Menge Kunstblut- und Sperma-Regen endete...

Ein würdiger 18. Geburtstag, den DAS Szene-Festival schlechthin da an diesen Pfingsttagen gefeiert hat. Eine Volljährigkeit und ein Status, der über die Jahre erreicht und dennoch nicht selbstverständlich wurde. Höhe- und Tiefpunkte, die das Festival dorthin gebracht haben, wo es heute steht. Als Pflichttermin für den Einen, als schöne Erinnerung für den Anderen, als Wat Neues für so viele, an die sich die Leipziger noch zu gewöhnen haben, jedoch keinesfalls als Eines unter Vielen. Dankeschön an die Organisation für das ‚Alle Jahre Wieder‘ und für die Möglichkeit für uns von WAVE OF DARKNESS, wieder einmal dabei zu sein.



  

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