Mera Luna / Hildesheim - August 2008
Gönderen Admin Tarih: 06.10.2008, 18:10 Score:   (5 from 10) Hits: 863 Language: german
MERA LUNA 2008
Ein fester Termin im Festival-Kalender und immer wieder beeindruckend vielfältig in der musikalischen Ausgestaltung – wir berichten vom M’ERA LUNA 2008!
Hildesheimer Flugplatz, ein Pendeln zwischen Open Air auf der Hauptbühne und Indoor Event im Hangar, ein Hoffen auf trockenes Wetter und schließlich viel viel gute Musik am Abschluss eines musikalischen Sommers. Das M’ERA LUNA hat eine Art Headliner-Position unter den Festivals inne, steht es terminlich doch ganz am Schluss der Sommer-Sonne-Saison und zeigt sich Jahr um Jahr als hochkarätig besetzt. Viele einzigartige Auftritte und gänzlich Besonderes durften hier bereits erlebt und mitgenommen werden, auch wenn die letzten Jahre in Sachen Wetter doch von Zeit zu Zeit unzuverlässig , positiv ausgedrückt – spannend – waren. Sehr gut gefüllt waren der Zeltplatz und in Folge dessen an den Tagen des 8. bis 10. August 2008 auch das Konzertgelände. Ein erster Eindruck, auf den viele der musikalischen Art folgen sollten. ELIS als persönlicher Eröffnungsgig. Ein Auftritt, dem mit gemischt-gespannten Gefühlen ob des traurigen Verlustes der Frontfrau Sabine Dünser entgegen gesehen wurde. Leider machten sich zu Anfang des Auftritts technische Schwierigkeiten bemerkbar, die der neuen Sängerin Sandra Schleret das Singen und der Zuhörerschaft das Aufmerksamsein schwer machte. Probleme am Mikrofon, die glücklicherweise nach den ersten Songs beseitigt werden konnten.
KLIMT 1918 als eine der Bands, die seltener in Festival-Line-ups gesichtet werden können und die daher besondere Vorfreude auslösen konnten, standen als nächster Punkt auf dem WOD-Programm. Die Italiener, die 1999 aus einer Death Metal – Kapelle entstanden sind, brachten im leider nur zur Hälfte gefüllten Hangar ganz und gar besondere Stimmung und schufen eine romantisch-schwermütige Atmosphäre im aller schönsten Sinne. Das Publikum war begeistert von der Hingabe der Protagonisten auf der Bühne und nahm die gänzlich einzigartige Stimmung dankbar entgegen. Ein definitives Highlight. MESH, die bereits Bestandteil des 2006er Festivals gewesen waren, zogen auch in diesem Jahr viele tanzbegeisterte Besucher vor die Mainstage. Eine Band, die es schafft, tanzbare Musik und eingängige Melodien ganz außerhalb vom ungeliebten Plastik-Bereich abzuliefern und vor allem live umzusetzen. Songs, die auf der Bühne noch einmal mehr Charakter bekommen und Musiker, die eben jenen mit ungeheuer sympathischer Art an das Publikum weitergeben kann.
Wir bleiben im Freien und widmen uns einem weiteren Festival-Klassiker. TANZWUT enterten die Bühne und ließen vom ersten bis zum letzten Augenblick ihres Auftritts keinerlei Zweifel daran, dass der Status als Klassiker und Garant für ausgelassene Stimmung vollkommen berechtigt ist. Energiegeladen, witzig und in keinem Moment aus der Puste – „Ihr wolltet Spaß – den sollt ihr haben!“ – hatten wir. EPICA waren der Grund für einen Wechsel in den Hangar. Die Niederländer konnten allem voran mit der energiegeladenen Frontfrau Simone Simmons überzeugen, die ihrer kraftvollen Präsenz auf den Studioalben auch live keinen Abbruch tat. Eine Mixtur aus älteren und neuen Stücken der Band, ein Wechselspiel aus zart-feinem weiblichem Gesang und tiefen Growls aus männlicher Richtung sorgten für ein gelungenes Gothic-Metal-Konzert. Die Mainstage rief, denn UNHEILIG sollten den nächsten Punkt im Festival-Programm bedeuten. Der Graf, der mittlerweile eine riesige Schar an Sympathisanten um sich versammelt und der die vielfältigsten Bühnen quer durch die Republik bespielt hat, überzeugte auch an diesem Spieltag. Der erste Mainstage-Auftritt auf dem M’ERA LUNA wurde für UNHEILIG zu einem riesigen Erfolg, den die Zuhörerschaft furios und begeistert feierte. Eine wünschenswerte Publikumsreaktion, die der Graf dankenderweise auf Knien entgegennahm. Dem Hangar wurde anlässlich des Auftritts der Schweizer Electro-Industrial-Black-Metaller von SAMAEL ein Besuch abgestattet. Eine sehr gute Songauswahl, sehr angetanes Publikum, viele viele Metalfans, doch leider sehr schlechter Sound. Der Auftritt hätte um Einiges besser klingen können und wäre somit vielleicht ein echtes Highlight im Gedächtnis geblieben. Aber – man kann nicht alles haben und somit geben wir uns mit dem Konjunktiv zufrieden. Ein kurzfristiger Ausflug nach draußen, um gerade noch ein paar Momente des ASP-Auftritts mitzubekommen. Derzeit in akustischem Gewand unterwegs, standen ASP hier noch in gewohnt rockender Besetzung auf der Bühne und lieferten Laut statt Leise. Energie, die das Publikum anstecken konnte und die genau diesen Tages-Trend einwandfrei fortsetzen konnte. Ebenfalls seltener auf Festival und daher der Grund für die Rückkehr in den Hangar – MOONSPELL. Die Portugiesen hatten leider wie auch SAMAEL mit Sound-Problemen zu kämpfen, die den genialen Auftritt jedoch nicht verhageln konnten. Eine wunderbare Zusammenstellung der bisherigen Veröffentlichungen und Hits ließ keine Wünsche offen und die Band konnte mit einer kraftvollen Performance bis ins Detail überzeugen. Das Publikum war zu Recht begeistert und wurde schließlich auch noch mit einem überraschenden Gastauftritt von Anneke von Giersbergen (ehemals The Gathering) belohnt. Einer der Höhepunkte des Samstags. Ein Soundwechsel und ebenfalls Wechsel der Lokalität anlässlich VNV NATION. Ohne zählen zu wollen, wie viele Festivals bereits durch die Future Pop – „Veteranen“ bespielt wurden – es macht immer wieder Spaß, dem Publikum beim ausgelassenen Spaßhaben und Atmosphäregenießen zuzusehen. Unterstützt durch visuelle Unterhaltungsmaßnahmen in Form perfekter Lichtshow und Selbst-Genießen durch die Front Ronan Harris. Ein Auftritt, der durch die Zuhörerschaft begeistert aufgenommen wurde und der hittechnisch keine Wünsche offen ließ. PARADISE LOST sollten die Co-Headliner des Samstagabends sein. Um es vorweg zu nehmen – leider konnten sie dieser Position ganz und gar nicht gerecht werden. Unfreiwilliger Minuspunkt war auch in diesem Fall wieder das technische Problem, das den Sound unterirdisch klingen ließ. Jedoch können wir uns nicht allein darauf ausruhen, da die Band selbst nicht wirklich motiviert oder gar leidenschaftlich bei der Sache war. Eher routinemäßig wurde die Setlist runtergespielt und keinerlei Begeisterung ging von den Herren selbst aus. Das hatten wir schon besser gehört und gesehen und waren daher nicht überrascht, dass einige der Zuhörer den Hangar schon vor Auftrittsende verließen. Parallel gestartet und die Hauptbühne beschallend waren bereits die Headliner FRONT 242 am Start, die noch einmal zur kollektiven Tanzbeinbewegung aufforderten. Kraftvolle Beats, die in der Menge vor der Bühne für permanente Bewegung sorgten und kaum jemanden still stehen ließen. Ein perfekter Ausklang in Tanzextase und Bewegung...

Der zunächst verregnete Sonntag startete für uns gemütlich am Nachmittag mit dem Auftritt von THE VISION BLEAK. Die Könige des Horror-Metal hatten für 50 Minuten Spielzeit eine geniale Setlist im Gepäck und zogen erwartungsgemäß cool ihre Show ab. Ein Auftritt, der genauso war, wie man ihn sich vorgestellt und als Fan gewünscht hatte und der trotz „Horror am Nachmittag“ in sehr gute Stimmung versetzen konnte. Ein kurzer Wechsel in den Hangar folgte, um AGONOIZE zu lauschen. Ein schwieriges Unterfangen, hier spontan auf Platzsuche zu sein, denn der Hangar platzte aus allen Nähten. Die Electro-Begeisterten waren in Bewegung und brachten mit aller Konsequenz einige Security-Mitglieder aus der Fassung. Parallel hatten sich LACRIMAS PROFUNDERE auf der Mainstage aufgebaut und waren bereit mit Goth-Rock gegen die Electro-Front anzugehen. Perfekt aufeinander eingespielt bot die Band energiegeladenen Rock, der abging wie die Katze Schmidt und das Publikum schwer begeistern konnte. Eine deutsche Band, die sich live in großen Schritten weiter entwickeln und perfektionieren konnte und somit immer wieder ein Konzert wert ist. SALTATIO MORTIS sorgten an diesem Tag für die Portion Mittelalter auf der Mainstage und damit beschwingt-ausgelassene Stimmung. Eine Fülle an Instrumentarium, vielfältige Rhythmen und damit beste Voraussetzungen, einen unterhaltsamen Nachmittag zu bieten. Wechsel des Bühnen- und Klangbilds und auf zu EISBRECHER in den Hangar. Dieser Tage unheimlich erfolgreich präsentierte sich die Band selbst in sehr guter Stimmung und in Bereitschaft, das Haus zu rocken. Elektronisch unterstützter Rock der Neuen Deutschen Härte, die laut Publikumsreaktion wohl noch lange nicht ausgedient hat und auch an diesem Sonntag begeistert aufgenommen wurde. Noch elektronischer, noch frenetischer bejubelt und ebenfalls im Hangar angesiedelt – COMBICHRIST standen als nächstes auf unserem Programm. Wieder kamen alle Tanzbegeisterten voll auf ihre Kosten, denn die Herren gaben auf der Bühne alles an musikalischer Aggressivität, um ihren Fans keinerlei Wahl zu lassen – Bewegung war Pflicht. Immer wieder als Highlight empfohlen und gern gesehen/ gehört – APOPTYGMA BERZERK! Ein Garant für viele viele Reihen begeisterten Publikums, das sich von der ersten bis zur letzten Minute mitreißen ließ. Ein ganz besonderer Auftritt, da Frontman Stephan an diesem Sonntag seinen Geburtstag feierte. Herzlichen Glückwunsch noch einmal – wir hoffen, die Torte hat geschmeckt und wir bedanken uns für einen genialen Auftritt! HOCICO, die inoffiziell als Headliner der Electro-Frakton gehandelt wurden, brachten den Hangar erwartungsgemäß zum Kochen und das zahlreich erschienene Publikum zum Tanzen. Viel viel Energie, die erwartungsgemäß den Hangar füllte und einen furiosen Tanzabend à la ‚Evil Electro’ bescherte. Ein echtes Highlight im Line up stellte der Auftritt der NEW MODEL ARMY dar. Die Indie-Klassiker begeisterten wohl vor allem die etwas älteren Festival-Besucher, dies jedoch vor allem durch bloße Präsenz. Der Ruf und der Klassiker-Status, die der Band vorauseilen, schien völlig auszureichen, wobei sich die Musiker nicht wirklich darauf ausruhen wollten. Ein echtes Highlight des Festivals vielleicht auch auf Grund des Seltenheitswerts auf Szene-Festival-Bühnen. Ein nächster Klassiker, der als Co-Headliner völlig zu Recht platziert worden war, beendete das Festival im Hangar – DAF. Die Herren, die sich bisher bei jeder Gelegenheit live außergewöhnlich und gänzlich andersartig zeigten, entsprachen genau dieser Postergröße auch heute. Leider hatte die sonntägliche Abreisewelle bereits begonnen und so war der Hangar nicht übermäßig gut gefüllt. Doch zum Rhythmus, mit dem man mit muss, bewegten sich all diejenigen, die den Weg nach Hause noch nicht angetreten hatten, umso euphorischer und energiegeladener. Ein klasse Auftritt mit einem Frontman, der nicht zum Stillstehen zu bewegen war, ganz und gar grandios besetzt mit Klassikern à la „Verschwende deine Jugend“ oder „Tanz den Mussolini“. Schließlich musste auch das 2008er M’ERA LUNA irgendwann zu Ende gehen und somit wurde es Zeit für die Headliner. Erneut setzte man auf die Klassiker unter den Szenebands und hatte mit FIELDS OF THE NEPHILIM. Professionell und in Nebel gehüllt betraten die Herren nach einem instrumentalen Intro die Bühne und lieferten einen headliner-gerechten Auftritt ab. Die Band um Sänger Carl McCoy zeigte sich, mit reichlich Bühnenerfahrung ausgestattet, gelassen und dennoch voll bei der Sache, so dass dem Publikum ein mehr als würdiger Abschluss eines grandios musikalischen August-Wochenendes geliefert wurde.

Ein großes Dankeschön an 23.000 Besucher, die bester Laune waren, an über 40 Bands, die dieses Wochenende ausmachten und schließlich an die Veranstalter, die alles perfekt zusammenführten und uns daran teilhaben ließen!
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