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4. Amphi Festival / Köln 2008

Veröffentlicht von Admin am 06.08.2008, 19:08
Punkte:   (10 von 10)
Hits: 383
Sprache: german


AMPHI FESTIVAL 2008

Am 19. und 20. Juli 2008 trafen sich mitten in Köln ca. 12.000 Festival- und Musikliebhaber der Farbe Schwarz bis Schwarz-Bunt, um das nunmehr vierte AMPHI-FESTIVAL zu begehen. Eben jenes Festival, das mitten im Sommer platziert, noch relativ jung wirkt auf dem Plan der Pflicht-Feste, hatte sich in diesem Jahr mit einem grandios besetzten Line up hervorgetan und somit sämtliche eigenen Rekorde gesprengt. Wie bereits im Vorfeld des Festivals durch die stolzen Veranstalter verkündet wurde, waren sowohl im Vorverkauf, als vor Ort keinerlei Tickets mehr aufzutreiben und so darf nunmehr von einem ausverkauften AMPHI 2008 berichtet werden.
Auf Vielfalt, aber auch auf Hochkarätiges hatte man erneut gesetzt, da eben jene Starbesetzung und das Zusammentreffen von aktuellen Szenegrößen den bisherigen Reiz des Musikereignisses rund um den Kölner Tanzbrunnen ausgemacht hatte. Hier mitten in der Kölner City herrschte ein ganz besonderes Ambiente, nicht zuletzt perfektioniert und abgerundet durch den stilvoll inszenierten Stadtstrand. Wir wollten genießen, flüchteten abschließend jedoch vor dem ein oder anderen Sandkorn zuviel.



Das Festival begann mit einer sportlichen Höchstleistung, bestehend aus Fußball, dabei am Ball Teams aus „Promis“, Veranstaltern/ Crew, DJs etc. . Leider nicht persönlich anwesend, dennoch über das Ergebnis informiert – Gewinner war das DJ-Team.
Ebenfalls Highlight und besonderes Erlebnis des Wochenendes – die Vorführung von „Operation: Zeitsturm“ – ein „Film von der Szene für die Szene“, auf die Leinwand gebracht von den Ausnahmeerscheinungen WELLE: ERDBALL. Jeweils zu Beginn der Festivaltage konnte im Theater des Tanzbrunnens bestaunt und bejubelt werden, was Mastermind Honey alias Dr. G. Linde aus 2. Weltkrieg und dem Zauber des C 64 zusammengereimt, verfilmt und vertont hat.
Erster musikalischer Act des Tages waren die Newcomer von MINA HARKER, die auf der Mainstage antreten und z.T. harten Gitarrensound, gemixt mit viel viel Elektronik und Frauenvokalistik darbieten durften. Der Newcomer-Status zog nicht wenige Interessierte an, wobei sich das Publikum insgesamt scheinbar noch in der Anreise- bzw. Aufwärmphase befand. Die Stimmung zur Setlist, welche aus Songs wie „Tiefer“, „Letzter Kuss“ oder „Engel“ bestand, war noch nicht optimal, leider ebenso wenig wie die stimmliche Qualität der Frontfrau, die einfach nicht dauerhaft vorhanden sein wollte.
Punkt 2 auf der Liste – das Solo-Projekt der Blutengel-Sängerin Constance Rudert – CINDERELLA EFFECT. Mit dem Cover-Album „Pearls“ machten CINDERELLA EFFECT Ende 2006 zum ersten Mal auf sich aufmerksam, verpassten dabei Klassikern wie „Zombie“, „Timekiller“ oder „Clone Your Lover“ ein neues, gänzlich anderes Gewand und durften heute ihren bisher wohl größten Auftritt begehen. Nicht jeder Zuhörer konnte überzeugt und begeistert werden, jedoch erwies sich das spontane Auftauchen von Regenwolken nebst zugehöriger Feuchtigkeit von oben als durchaus vorteilhaft, um die Aufmerksamkeit auf die (überdachte) Bühne und das Publikum in das Unmittelbar-Davor zu lenken.
Ein erster Höhepunkt des Line up’s konnte mit dem viel zu kurzen Auftritt von ZEROMANCER verzeichnet werden, die sich endlich wieder einmal auf deutschen Bühnen blicken ließen und neues Material mitgebracht hatten. Die Sympathie des Publikums war von Anfang an spürbar und sowohl Klassiker wie „Doctor Online“, „Clone Your Lover“ oder auch „Need You Like A Drug“, als auch die neuen Stücke des hoffentlich bald erscheinenden, weil ungeduldig erwarteten Longplayers wurden mit viel Applaus, spontanem Mitklatschen und sehr guter Nachmittagslaune bedacht. Ein echter Genuss für Auge und Ohr!
Ein weiterer Publikumsmagnet und sozusagen Stimmungs-Garant sollte folgen, als WELLE: ERDBALL die Bühne be- und ein Hitfeuerwerk lostraten. Von „Arbeit adelt“, über „Es geht voran“ bis hin zu „Starfighter F-104g“ war alles dabei, was im Fan-CD-Regal Rang und Namen hat und den einzigartigen Sound der Meister des C 64 am treffendsten beschreibt. In den 40 min des Auftritts wurden sämtlicher Entertainment-Talente der einzelnen Band-Mitglieder gepackt und in Form von Malerei, Computer-Freiflug oder auch Aufruf zum Tierschutz bestens verarbeitet. Die Zuhörerschaft dankte auf selber Frequenz mit größter Aufmerksamkeit und bester Stimmung.
Stilbruch – wir schwenken von Elektronik deluxe zu gitarrenlastigen Sounds. ZERAPHINE betraten als nächstes die Bühne und trafen auf viele viele Sympathisanten, die den folgenden Auftritt feierten, zu den Highlights der Bandgeschichte wie „Be My Rain“, „Flieh mit mir“ oder „Sterne sehen“ tanzten, jubelten oder einfach nur träumten. Ein rundum gelungener Auftritt der Berliner.
Die Abwechslung wurde fortgesetzt – die schwedischen Electro-Klassiker COVENANT knüpften an und wechselten konsequent den Sound. Eskil und Joakim, außerdem aushilfsweise Daniel Myer von HAUJOBB begrüßten zu elektronisch-sphärisch-tanzbaren Klängen mit unverwechselbarer Melodik und vor allem viel viel Energie. Sänger Eskil zeigte sich gut gelaunt und ließ eben jene gute Stimmung problemlos auf das Publikum überspringen. Der einsetzende Regen als Nebensache und einzig Grund, die tanzende Menge noch etwas näher rücken zu lassen.
DEINE LAKAIEN sollten als Co-Headliner der samstäglichen Mainstage-Parade fungieren und folgten im Programm. Die Plätze vor der Bühne waren allesamt besetzt und auch der Rest des Geländes wurde durch den Großteil der Zuhörer besiedelt, als Alexander Veljanov und Ernst Horn, der vorher noch zu den Klängen von WELLE: ERDBALL backstage seinen Flügel zu stimmen hatte, ihre Best of – Show mit „Colour-Ize“ einläuteten und mit Hits wie „Over And Done“ oder auch „Into My Arms“ fortsetzten. Einzig auf die Ausstrahlung der Songs, sowie der Stimme des Herrn Veljanov wurde gesetzt, um einen einmalig schönen Auftritt abzuliefern. Keine spektakuläre Bühnenshow war nötig, um den zu überzeugen, der nichts Anderes erwartet hatte.
OOMPH! hatten dem ersten AMPHI-Tag nun also die Krone aufzusetzen. Die Braunschweiger eröffneten mit „Träumst Du“ eine furios-energiegeladene Show, die vor allem durch die fesselnde Ausstrahlung eines entfesselten Dero und dessen Interaktion mit dem Publikum bestechen sollte. Die Menge vor der Bühne hatte sich zwischenzeitlich zwar etwas gewandelt, während im Theater die elektronisch-industrielle Fraktion auf ihre Höhepunkte zusteuerte, war jedoch noch mehr als zahlreich vertreten und brannte darauf, den Headliner als eben solchen zu feiern. Ein Reigen aus Stücken wie „Fieber“, „Sex hat keine Macht“, „Das letzte Streichholz“ und schließlich „Augen auf“ und „Gott ist ein Popstar“ wurde auf die Fans abgefeuert und zündete genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein gelungener Abschluss des ersten Tages auf der Mainstage.
Höhe- und Schlusspunkt des Samstags im Theater bildeten COMBICHRIST, die massenhaft Leute anziehen, jedoch teilweise vor der überfüllten Location stehen lassen mussten. Die Glücklichen, die es nach drinnen geschafft hatten, erlebten ca. 90 min perfekten Electro-/ Industrial-Sound, allem voran ein energiegeladener Andy LaPlegua. Von Anfang bis Ende wurde die Menge vor der Bühne zum Tanzen gebracht und wer ruhige Momente suchte, war hier eindeutig falsch. Ein schweißtreibendes Gesamtkunstwerk allerbester Tanz-Qualität!

Der Sonntag startete für uns auf der Mainstage mit dem Auftritt der Italiener von THE LOVECRAVE. Eine mitreißend-rockende Show mit einer animationsbegabten Frontfrau Francesca stieß auf ein Publikum, das sich höchst gern anstecken ließ und der rundherum positiven Ausstrahlung der Vokalistin die perfekte Bühne gab.
Die Dresdner der LETZTEN INSTANZ sollten die handgemachten Klänge fortsetzen und hatten sich ausdrücklich auf die Fahne geschrieben, den ersten grandiosen Auftritt 2006 noch zu toppen. Viel begeisterungsfähiges Publikum hatte sich dazu vor der Bühne versammelt und lauschte in den folgenden Momenten sowohl älteren Stücken wie „Rapunzel“ (Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, „Poison“ zu verunstalten?) oder „Mein Todestag“, als auch Auszügen der aktuelleren Werke „Ins Licht“ und „Wir sind Gold“. Der Sound und die Live-Show der INSTANZ kamen an und begeisterten.
Ebenfalls mit ganz und gar besonderer Live-Präsenz warteten anschließend DAS ICH auf. Der Sound schwenkte erneut in den elektronischen Bereich, animierte jedoch ebenso wie die Bühnenvorgänger zum leidenschaftlichen Mittanzen und Begeistertsein. Nicht als Best of – Show ausgeschrieben, jedoch augenscheinlich als eben solche umgesetzt, lieferten Charakter-Frontman Stefan Ackermann, Bruno Kramm und das „Pfund Gehackte“ Marty Söffker Hit an Hit. Von „Kain und Abel“, über „Gottes Tod“ und schließlich „Destillat“ wurde alles aufgeboten, was die Menge mitreißen konnte.
„Die lauteste Band im Backstage-Bereich“ – L’AME IMMORTELLE erschienen als nächstes im Programm und standen ihrem durch WELLE: ERDBALL – Frontman Honey verkündeten Ruf auch auf der Mainstage in nichts nach. Sonja Kraushofer und Thomas Rainer, verstärkt durch Live-Gitarre und Bass, freuten sich sichtlich über die Begeisterung des Publikums über die Live-Zusammenstellung der bisherigen musikalischen Bandgeschichte – die Show begann mit „Bitterkeit“, wurde fortgesetzt mit Stücken der aktuelleren Alben wie „1000 Voices“ oder „Aus den Ruinen“ und endete schließlich mit dem LAI-Meisterwerk „Life will never be the same again“ und dem Chart-Erfolg „5 Jahre“.
„We are Tokio Hotel!“ – die Begrüßung der Electro-Ikonen von SUICIDE COMMANDO. Alle Ähnlichkeit abstreitend bemerkten wir dennoch riesige Begeisterung und Euphorie im Publikum, das nunmehr ein weiteres Highlight in Sachen Tanzmusik vor sich sah. Unterbrochen von einem kuschelbedürftigen Fan, der mit riesigem SUICIDE – Tattoo versehen, die Bühne enterte, um Frontman Johann an sich zu drücken, lieferte eben jener sämtliche „bewegenden“ Stücke des Projekts. Der perfekte Ausklang – „Hellraiser“.
Einer der Co-Headliner des Sonntags auf der Mainstage waren PROJECT PITCHFORK, die in mittlerweile gewohnter Kriegsbemalung auf der Bühne erschienen, um das Energiegewitter des vorangegangenen Acts fortzusetzen. Dirk Scheuber und Peter Spilles griffen auf Hit für Hit zurück, um der Menge alles abzuverlangen und die Spannung in der Luft aufrecht zu erhalten. Spätestens zu „Timekiller“ war alles und jeder in Bewegung.
AND ONE als eines der absoluten Highlights des Festivals beeindruckten in den darauffolgenden 90 min mit Auszügen aus ihrer „Cover Lover Supershow“, so z.B. mit „It’s a Sin“ (Pet Shop Boys) oder auch „The Sun Always Shines On TV“ (AHA). Das wohl besonderste in der Playlist der „geborgten“ Stücke war PITCHFORK’s „Timekiller“, das als „regenfreie Version“ angekündigt und spontan durch die Original-Protagonisten Spilles und Scheuber unterstützt wurde. Eineinhalb Stunden Tanzbarkeit pur und das Publikum war nicht zu halten. Zu recht.
Ein Besuch im Theater verschaffte und zu guter Letzt das Vergnügen mit DIARY OF DREAMS. Ganz und gar besondere Momente brachten ganz und gar besondere Stimmung unter die Anwesenden. Mit Stücken wie „Chemicals“, „She“ oder auch „Nekrolog 43“ wurde Gänsehaut erzeugt, Gefühl verbreitet und gleichzeitig hier und da zum träumerischen Abwesendsein angeregt. Eine wohl einmalige Ausstrahlung einer ganz und gar besonderen Band.
DIE KRUPPS hatten die Ehre, den Sonntag und das AMPHI FESTIVAL 2008 – leider zu sehr später – Stunde zu Ende zu führen. Ein wenig unvorteilhaft platziert, weil Sonntag und somit am meistgewünschten Heimreisetag, daher fotographisch nicht dokumentiert. Gesagt sei, was wir hörten – eine EBM-Party in explosiver Hochstimmung!

Das AMPHI FESTIVAL 2008 bestach, wie auch in den Jahren zuvor, mit einer erstklassigen Organisation, einer wunderschön speziellen Location und nicht zu vergessen einem exquisit ausgesuchten Line up. Kaum ein Geschmack, der nicht getroffen werden konnte, kaum ein Tanzbein, das Gelegenheit zum Stillstehen hatte. Versorgt mit dem Üblichen an Lebensmittel- und Textilienvermarktung, verwöhnt mit einem ausführlichen Sandstrand in Beach-Club-Atmosphäre, konnte der Festivalbesucher rundum zufrieden sein.
WAVE OF DARKNESS bedankt sich bei den Veranstaltern für’s Gastseindürfen!

Bericht:
Raggi
Fotos: Martin

 



  

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